16. 01. 2001

>2.< Tagesbericht
Als ich am 16.01.2001 wie jeden Tag pünktlich um 7:55h die Praxis betrat, war noch keine der Therapeutinnen anwesend.

Als um 8:05h die erste Patientin in der Praxis ankam, war immer noch keine der Therapeutinnen da. Ich brachte die Patientin in den Bestrahlungsraum. Und rief meine Chefin zu Hause an. Sie hatte verschlafen. Sagte mir, ich soll bei der Patientin einen Ultraschall am Schultergelenk machen. Ich holte das Ultraschallgerät und begann mit der Therapie. Diese dauert ca. 10 min. Ich brachte der Patientin noch einen Kaffee und eine Zeitung und bat sie auf meine Chefin, die bald eintreffen würde, zu warten. Als ich fertig war kamen Frau N. und Frau R. von ihren Hausbesuchen in die Praxis. Frau N.’ Patient war auch schon da und ich durfte bei ihm einen Ultraschall im Bereich des unteren Rückens machen.

Während ich das Ultraschallgerät reinigte, betrat endlich meine Chefin die Praxis. Sie ging sofort zu ihrer Patientin und bat mich ihr einen Kaffee nach zubringen. Ich ging in den Aufenthaltsraum holte eine Tasse Kaffee und brachte sie zu ihr.

Frau R. fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mit ihr in das Altersheim ,,Krichelsmühle" zu fahren und dort bei der Gymnastik zuschauen möchte. Ich musste Frau N. noch fragen, ob sie damit einverstanden ist. Dann stiegen wir ins Auto und fuhren los. Während der Fahrt zum Altersheim stellte ich Frau R. einige Fragen zu ihrem Beruf. Wie zum Beispiel die Ausbildung bei ihr verlief, ob man ausreichend verdient, um ein "normales" Leben zu führen Sie erzählte mir dann auch von den unangenehmen und angenehmen Seiten diese Berufes. Als sie mir erzählte, dass sie schon öfters bei Hausbesuchen ankam, und ihr jemand weinend die Tür öffnete, da der Patient verstorben war, wurde mir schon etwas "mulmig"!

Nach 45 min. kamen wir endlich im Altersheim an. Wir gingen in den Gruppenraum und bildeten einen Kreis von Rollstühlen/Stühlen in/auf denen die Patienten saßen. Wie fingen an mit einfachem Auf- und Abbewegen der Füße. Frau R. stellte mich den Patienten dabei vor. Sie versuchte mit ihnen ein Gespräch einzugehen. Aber das war nur mit den wenigsten möglich. Als die Übungen, die auch noch die Beine, Arme und Hände betrafen, nach 2 Stunden zu Ende waren, schoben wir die Patienten wieder an ihren Platz zurück. Frau R. wollte bei einem Patienten die Bremsen des Rollstuhles lösen, als der ihr plötzlich mit der Faust in den Magen schlug. Sie nahm seine Hand und sagte ihm, dass das nicht toll war und schob ihn gelassen an seinen Platz zurück. Ich war erst etwas geschockt. Doch Frau R. erzählte mir später, dass der Patient früher erfolgreich geboxt hatte und auch schon wegen Körperverletzung im Gefängnis saß. Dies sei bei ihm schon öfters vorgefallen.

Nun stiegen wir wieder ins Auto und fuhren zu einer Alzheimerpatientin, die eine knappe Stunde vom Altersheim entfernt wohnt.

Frau R. machte mit der Frau einige Gehversuche, indem sie sie unter den Arm nahm und mit ihr kleine Runden durch die Wohnung ging. Die Frau (heute sehr lustlos!) verstand nichts von dem, was Frau R. ihr sagte. Trotzdem machte sie ihr alles vor und überredete sie mitzumachen. Dann holte ich einen Softball aus dem Auto und wir warfen uns diesen zu dritt zu.

Nach 1 Stunde Überredungskunst fuhren wir wieder weg.

Da es nun schon 1 Stunde und 15 Minuten in meine Mittagspause herein ging, fuhr Frau R. mich nach Hause und sagte, dass sie in 2 Stunden durch unser Dorf fahren müsste, um zu einer Patientin zukommen. Sie holte mich dann wieder ab. Und wir fuhren zu der Patientin. Die Patientin ist bettlägerig. Sie hatte einen leichten Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte und einen starken in der rechten. Das heißt, dass sie ihre rechte Seite noch ein bisschen bewegen kann, und ihre linke Seite gar nicht mehr. Ihr Sprachsystem war auch betroffen. Dadurch gab sie nur "Laute" von sich.

Frau R. bewegte sie im Bett "durch". Das heißt, dass sie die Muskeln dehnte. Die Patientin schrie, doch Frau R. kümmerte das nicht. Da sie ja weiß, was sie tut!!

Nach einer Stunde fuhren wir wieder zurück in die Praxis und ich ging erst in den Aufenthaltsraum spülen. Dann suchte ich noch alte Karteikarten und ordnete sie bei den laufenden Karteikarten ein.

In der letzte halbe Stunde diskutierte ich mit meinen beiden Praktikumbetreuerinnen, während sie im Bestrahlungsraum arbeiteten, über die Fragen aus der Praktikumsmappe.

Dadurch, dass Frau N. aus Belgien kommt und ihre Ausbildung dort auch abgeschlossen hatte, und Frau R. hier in Deutschland, war es mir möglich auf Seite 24 und 25 in der Mappe den Vergleich der Ausbildungen in Deutschland und Belgien aufzustellen.

Nun musste ich zuletzt, wie jeden Tag, die Blumen im Wartezimmer gießen.

Martina Bröder

>3.<Tagesbericht

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