Eindrücke von der Reise zum Hauptprojekt der St. Angela Schule in Uganda vom 8. – 24.2.2011

Die Unruhen in Ägypten ließen uns (7 Gründer der Hilfsaktion aus Ottobeuren und ich) die Reise über Addis Abeba umbuchen. Zum Glück blieb die Gepäckregelung von 2x 23 kg bestehen, denn die acht Teilnehmer/innen hatten schon viele Mitbringsel besorgt. In der Hauptstadt informierten wir uns über die Nutzungmöglichkeiten eins Solarkochers und den Einbau einer Solaranlage für die Sekundarschule ‚Maria Eldern‘. Erwartungsvoll ging es dann endlich von Kampala in Richtung des Dorfes Kacuro im äußersten Südwesten Ugandas. Wir erreichten das Ziel gegen Mitternacht, wollten aber das neue Schulgebäude unbedingt noch wenigstens im Schein der Taschenlampen ansehen. Wir waren beeindruckt! Die letzte steile Wegstrecke mussten wir zu Fuß bewältigen, hatten aber zum Glück Hilfe beim Tragen der Gepäckstücke.



Am nächsten Morgen gab es einen herzlichen Empfang durch die etwa 300 Schüler in 5 Jahrgangsstufen und 23 Lehrer. Stolz zeigte man uns die Klassen- und Schlafräume im Erdgeschoss bzw. im der ersten Etage. Das Gebäude war solide gebaut und hatte ein Wellblechdach in leuchtendem Blau. Es ging zwar eng zu und es gab Matratzenlager auf der Erde, da noch Etagenbetten fehlten. Man hatte nicht mit so einem starken und noch andauernden Zulauf nach der Eröffnung zum Schuljahrsbeginn von zwei Wochen gerechnet. Die Bänke machten einen soliden Eindruck auf mich, nachdem ich in Tansania und Sambia teilweise deutlich geringere Qualität gesehen hatte. Die Schulküche befand sich in einem aus Holz errichteten Nebengebäude, in dem es auch einige vorläufige Klassenräume gab. Zur Essensausteilung stellten sich die Schüler sehr diszipliniert an. Es gab wie fast jeden Tag das traditionelle Essen Matoka (ein fester Brei aus Kochbananen) und roten Bohnen in Soße.

Am Sonntag fand die feierliche offizielle Eröffnungsfeier statt, bei der wir zu den Ehrengästen gehörten und entsprechend hofiert wurden. Hierbei wurde auch die Schuluniform, weiße Bluse bzw. Hemd und grauer Rock bzw. Hose, vorgestellt. Ich hatte am Vortag schon ein Hemd anprobieren dürfen. Der Gottesdienst unter freiem Himmel dauerte gut 2 Stunden, war aber wegen des vielseitigen Gesangs, an dem wir uns mit zwei Liedern beteiligten, Trommeln und Tanzen überhaupt nicht langweilig. Auch wir aßen anschließend mit den Fingern, hatten aber sonst in der Unterkunft beim Schulleiter Besteck zur Verfügung.

Am Montag machten wir uns mit Koffern beladen auf den Weg zur Grundschule des Dorfes. Die Hefte, Stifte, Spiele, zwei Fußbälle und zahlreiche T-Shirts mit dem Aufdruck ‚Fit am Ball für Afrika‘ wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Aus Freude und Dankbarkeit begleiteten uns Schüler und Lehrer singend und klatschend bis zur Hauptstraße des Dorfes. Dort konnten wir einen Blick auf die vor wenigen Jahren von ‚Kacuro Ottobeuren‘ angeschafften und profitabel betriebenen Maismühle werfen. Dann wurden an der Sekundarschule unsere Mitbringsel wie Werkzeuge, Bohrmaschinen, Fußbälle, Schulmaterialien und T-Shirts auf Tischen ausgebreitet. Dies quittierten die Schüler mit lautem Beifall. Beim Mittagessen hatten wir Gelegenheit zu Gesprächen mit den Mitgliedern des Kollegiums. Dabei erfuhr ich, dass die Ausstattung der Schule mit Schulbüchern noch sehr unzureichend sei. So entschloss ich mich, das vom AKSA zur Verfügung gestellte Geld für den Kauf von Schulbüchern zu verwenden, was großen Anklang fand, auch wen es längst nicht ausreichte. Aber ein Anfang war gemacht.



An einem der sonnigsten Tage konnten wir einen Badetag am Bunyonyisee einlegen, an dem sich ein kleines Touristenzentrum für einheimische und ausländische Touristen entwickelt hatte. Diesen Tag schätzten wir sehr, weil die Waschgelegenheiten an unserer Unterkunft sehr begrenzt waren; denn das Wasser musste von der Quelle am Fuß des Hügels in Kanistern zum Haus geschafft werden. Auch die Toilette, eine einfache Latrine, entsprach nicht europäischen Ansprüchen, wurde aber von uns anstandslos akzeptiert, denn dies wussten wir im Voraus. Entschädigt wurden wir durch einen sehr hell scheinenden Vollmond und den ‚African Sky‘, einem Himmel mit unendlich viel mehr Sternen als wir ihn bei uns kennen. Dies genossen wir abends, als wir gemütlich um ein Holzkohlenfeuer saßen. Dabei vergaßen wir, dass uns die Annehmlichkeit elektrischen Stroms fehlte.

Die Freuden des Badetages wurden aber erheblich getrübt, als wir unterwegs in einigen Steinbrüchen Männer, aber auch Frauen und Kinder sahen, die den ganzen Tag in der Sonne saßen und Felsstücke mit Hämmern zu Kies zerkleinerten. Schon früher hatten wir am Straßenrand  Kieshügel gesehen und solche Sklavenarbeit vermutet.

Die hügelige bis gebirgige Landschaft gefiel uns sehr. Sie war auch gegen Ende der Trockenzeit wesentlich grüner, mit mehr und höheren Bäumen bestanden als die mir aus Sambia und Tansania bekannten Gegenden. Neben den braunen Ackerflächen mit Mais, Bohnen, Irish Potatoes, Süßkartoffeln und Maniok fielen die größeren Flächen mit Bananenstauden auf. Daneben gab es weite Anbauflächen mit Tee, Zuckerrohr und Papyrus. Einige Sorge bereitete mir aber die Erosionsgefahr an den teilweise recht steilen Hängen, die nur unzureichend terrassiert waren. Rinder und Ziegen wurden von Hirten gehütet oder waren einzeln am Straßenrand angebunden.

In den Städten und Dörfern fielen die Unmengen von Wahlplakaten auf, die teilweise riesig waren, denn es fanden Präsidenten- Parlaments- und Kommunalwahlen statt. Auf dem Land waren die Wahllokale öfters durch Flatterband abgetrennte Wiesen. Wir hatten den Eindruck, dass die Wahlen ordentlich vorbereitet und durchgeführt wurden. Polizei und Militär standen aber bereit, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Der Rückflug war ebenso ruhig wie der Hinflug. Die Sicht auf die Gebirgslandschaft Äthiopiens, die Ebenen des Sudans und die Gebirgszüge der Alpen waren wirklich fantastisch und i-Tüpfelchen meiner Reise, die ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde.

(Michael Schierbaum)